Die Stollen

Dieses Thema im Forum "Reich des heißen Wassers" wurde erstellt von Sakaida Mai, 3. März 2014.

  1. Kiyama Mura

    Kiyama Mura Active Member

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    Geschockt kam Mura zum Stehen, als er sah, wie Itoe zu Kristall erstarrt stehen blieb. Ungläubig blickte er die junge Frau aus Konoha an, die mit aufgerissenen und doch vollkommen leblos wirkenden Augen gerade aus vor sich hinstarrte. Kein Zeichen des Lebens war ihrem Gesicht zu entnehmen, das nur grob unter der violetten Schicht zu erkennen war. War…war sie tot?!? Mura mochte, Mura konnte und wollte das nicht glauben. Gerade hatte er noch voller Selbstvertrauen Mai versprochen, dass er alles dafür tun würde, sie alle heil nach Hause zu bringen. Ein Versprechen, das seiner blauhaarigen Retterin und auch ihm selbst wie Hohn und Spott erscheinen musste. Auch für Kayros schien diese Situation eine Neuheit zu sein, denn auch ihm sah man die Fassungslosigkeit ab, hatte er doch wenige Momente zuvor noch mit der Hyuuga diskutiert. Doch Mura fasste sich schnell wieder und richtete seinen Blick auf Buntaro fokussiert. Nein, das würde er ihm büßen. Mura atmete schwer, wobei gleichsam die Anstrengung, sich trotz all der körperlichen Qualen weiter zu bewegen, wie auch nur die mit Mühe unterdrückte Wut ihre Auswirkung hatten. Nur noch wenige Meter trennten ihn von diesem Monster, das so wenig mit dem Bruder seiner Vergangenheit gemein hatte. Mura gierte geradezu nach dem Blut dieses Mannes, der seiner Familie, seinen Freunden und zuletzt auch ihm selbst so große Leiden zugefügt hatte. Schon längst hatte Buntaro seinen Status als Bruder in den Augen des Kiyamas verloren. Spätestens aber ab dem Zeitpunkt, als Mura am Grab seiner Mutter gestanden hatten und von seiner Schwester hatte erfahren müssen, welche vertraute Person hinter dem Überfall auf sein Heimatdorf gesteckt hatte. Und obwohl er so viel Zeit in der Gesellschaft seines Bruders hatte verbringen dürfen, zweifelte er daran, jemals die Gedankengänge dieses Wahnsinnigen zu verstehen. Er wusste nur, dass er ihn stoppen musste. Sofort.
    Schon hastete er auf seinen Bruder los, als ihn eine Hand von hinten griff und rüde zu Boden riss. Der Aufprall auf den Boden trieb ihm die Luft aus dem Körper, als die zahlreichen Wunden auf seinem Rücken mit dem dreckigen mit Kieseln bedeckten Boden in Berührung kamen. So konnte der junge Kumonin nur aus tränenverschleierten Augen erkennen, wie etwas über ihn hinweg schoss. Erst dann erkannte er, dass da, wo sich nur wenige Augenblicke zuvor sein Kopf befunden hatte, eine ganze Reihe an Wurfgeschossen über ihn hinwegflog. Was war passiert…?

    In der Zwischenzeit hatte Buntaro sich ganz dem Sunanin zugewandt. Ein kurzer Blick zur Seite hatte für eine schnelle Einschätzung genügt, dass von den beiden total erschöpften und verletzten Kumonins keine größere Gefahr ausgehen würde. Auf ein kurzes Nicken hin hatte sein Doppelgänger Stellung bezogen, um sich um diese beiden Gegner zu kümmern. Außerdem spürte er, dass der kurz zuvor von Mai niedergestreckte kristalline Buntaro noch aktiv war. Das sollte wohl reichen.
    Weitaus interessanter fand er doch den Sunanin. Dass dieser Einiges auf dem Kasten hatte, hatte er sofort gemerkt, als die Verbindung zu einem Katzenwesen nach dem anderen abgerissen war. Immer hatte er zuletzt das Gesicht dieses Jungen gesehen. Buntaro war neugierig. Einen guten Teil der Dotonjutsus des Chuunin hatte er schon einmal unterbunden, doch er dachte gar nicht, sich das Heft aus der Hand nehmen zu lassen und dem Gegner die Chance zu bieten, sich eine Taktik zu überlegen. Kurz, nachdem Itoe mit Kristall umschlossen worden war, hatte er schon neue Fingerzeichen gebildet, sodass im Raum um Kayros herum vier Jadekristalle entstanden. Ein diabolisches Lächeln umspielte die Lippen des älteren Kiyamas.
  2. Sakaida Mai

    Sakaida Mai Chuunin

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    Mai kannte Kayros schon lange, Itoe erst seit kurzer Zeit. Dennoch hatte sie beide, den einen wie auch die andere, sehr schnell ins Herz geschlossen. Es war schon ein wenig traurig, dass Mai gleich zu Beginn dieser verfluchten Mission erkennen musste, dass sich Kayros und Itoe leider so gar nicht leiden konnten. Für Mai war es absolut unüblich, mit einem anderen Menschen nicht auszukommen. Aber sie konnte es zumindest akzeptieren, wenn zwei ihrer Freunde einander nicht sonderlich leiden konnten. Doch welche Ausmaße dieser Umstand auf die Mission haben würde, hätte der Blauschopf nicht zu träumen gewagt. Ein gut funktionierendes Team war eben doch das A und O einer Mission..
    Sie wollte etwas tun, machte einen Schritt nach vorn, zögerte wieder, um nicht genauso zu enden, wie Itoe. Zugleich schlug Mai erschrocken die Hände vor den Mund und sah hilflos mit an, wie Itoe in dem Kristall gefangen wurde. Einen Moment lang stieg Panik in ihr auf. Was hatte das nun zu bedeuten? Was geschah mit Itoe?! War sie nur erstarrt, außer Gefecht gesetzt oder.. Verzweifelt schüttelte Mai den Kopf, diesen Gedanken dürfte sie gar nicht erst aufkommen lassen. Es blieb außerdem keine Zeit, um weiter darüber nachzudenken. Ein Blick zu Kayros, weiter zu Buntaro und wo war- Kurz zuckte Mai zusammen, als eine Hand ihre umgriff. Erleichtert darüber, dass es Mura war, sah sie zu ihm. Unter anderen Umständen hätte sich Mai über diese Geste mehr freuen können.. Doch im Vordergrund stand nun, dass er sich blindlings in Gefahr begab (sein Zustand könnte nämlich etwas besser sein). Abgesehen davon schnappte er sich Mai’s letzten Kunai! Das.. also.. unter anderen Umständen..

    Ein Geräusch ließ Mai ihren Blick von Mura abwenden, welcher in sein personifiziertes Verderben (Buntaro) lief. Dieser Kristalldoppelgänger von vorhin schien sich von dem Stromschlag erholt zu haben und holte erneut aus. Und diesmal in Form von Shuriken, welche er gezielt an Mai vorbeiwarf und wohl Mura treffen sollten. „Nein!“, entkam es dem Blauschopf aufgebracht, ehe sie in voller Geschwindigkeit losstürmte und nur noch Zeit dafür fand, Mura unsanft zu Boden zu reißen. Das war nicht ihre Art, doch die Uhr tickte eben. Auf voller Fahrt stieß sich Mai sogleich geschickt von der Höhlenwand ab, nutzte die neuaufgebauten Chakrareserven und lud beide ihre Hände mit dem gefährlichen Raiton-Jutsu auf. Wild entschlossen raste der Blauschopf auf den Doppelgänger zu, stieß ihn mit Körpereinsatz ein paar Schritte zurück (für mehr reichten weder Kraft noch Gewicht) und umklammerte gezielt seinen Kopf, um ihn endgültig zur Ruhe zu bringen.
    Einer der beiden Doppelgänger war endlich Geschichte. Ein Blick zu Mura: Er lag noch immer auf dem Boden, hoffentlich hatte Mai ihn nicht zu hart rangenommen. Weiter zu Kayros: Buntaro hatte ihn im Visier. Kayros.. ob er Mura nicht wenigstens notdürftig versorgen könnte? Damit wäre nicht nur dem Kumo-Nin, sondern auch der Gruppe geholfen. Dafür müsste Mai sich jedoch wenigstens eine kurze Zeit allein dem Übel stellen. Sie hatte bereits an Itoe gesehen, dass ein Moment der Unaufmerksamkeit genügte. Mai würde aufpassen und sie war schnell.. es würde schon gut gehen. Den Moment nutzend, in welchem Buntaros Aufmerksamkeit Kayros galt, formte Mai die nötigen Fingerzeichen, um den älteren Kiyama mit Hilfe des Mawaru Sekai in die kreisende Welt zu schicken. Sie wusste nicht, ob sein Genjutsu besser war als ihres, aber wenigstens einige Sekunden würden ihr und dem Suna-Nin gehören. Buntaro begann zu wanken, während sie Kayros per Blick zu Mura deutete. „Sieh bitte nach ihm!“, bat Mai ihn leise und hoffte, dass er die Möglichkeit dazu finden würde. Und vor allem, dass es halbwegs schnell ging, denn lange könnte sie Buntaro nicht alleine stemmen.

    Es gab diese Sekunden zwischen dem Zeitpunkt, an welchem sich das Jutsu auflöste und den Moment, in welchem man sich wieder orientiert hatte. Es war nur so wenig Zeit, aber ausreichend, um Fingerzeichen zu formen. Bewusst hatte sie sich hinter Buntaro gestellt, damit er sich umdrehen müsste, um sie ansehen zu können. Würde dieser Verrückte einen Schritt machen, ging er Mai in die Falle. Das Raiton: Vorutêji no Suteppu war ein wunderbar heimtückisches Jutsu, solange der Gegner nicht wusste, wie es funktioniert. Um auf Nummer Sicher zu gehen, hatte Mai es möglichst heimlich angewandt. Sie hatte im Moment keinen Blick für Kayros oder Mura, sie wusste also nicht, was Ersterer machte. Kümmerte er sich um Mura oder stärkte er Mai den Rücken? Die Anspannung war dem Blauschopf anzusehen. Endlich, Buntaro hatte nach einer schier unendlichen Zeit Anstalten gemacht, sich umzudrehen. Schier unendlich? Es waren vielleicht knapp über zwanzig Sekunden gewesen. Auf undefinierbare Art und Weise sah Buntaro über die Schulter hinweg zu Mai. Lächelte er? Noch ehe sie es jedoch deuten konnte, hob er seinen Fuß.. Seine starken Schmerzen konnte man nur erahnen, deutlich zu erkennen waren die heftigen Zuckungen, welche ebenfalls durch den Stromschlag ausgelöst wurden. Und so wurde er zuletzt vom Boden weggerissen und aufgrund der starken Entladung in die Luft geschleudert. Dieses Jutsu war Anstrengend..
    Und der andere Doppelgänger war zu lange in Vergessenheit geraten.
    Mai könnte nicht mehr sagen, wie er es gemacht hatte. Aber er hatte es geschafft, ihr mit einem gezielten Schlag die Lichter für die nächsten Minuten auszublasen.
    Zuletzt bearbeitet: 18. Juni 2014
  3. Hiragana Kayros

    Hiragana Kayros Chuunin

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    Mai schaffte es, Buntaro in ein Genjutsu zu setzen für den Moment. „Sieh bitte nach ihm!“, bat sie Kayros und übernahm für ihn seinen Gegner. „Ja“, sagte der Mediziner nur und lächelte das Mädchen an. Er sprang zu Mura und kniete sich zu ihm nieder. „Alles wird gut...“, murmelte der Junge zu seinem Kumpel. Vorsichtig untersuchte er den Genin, stellte neben zahllosen oberflächlicheren Wunden auch eine starke Erschöpfung fest und im Folge einer Unterernährung der letzten Zeit auch ein gewisser Blutmangel. Kayros formte Fingerzeichen und schmiedete Chakra, als er aufblickte. Mai hatte sich hinter Buntaro gestellt und es schien, als habe sie die Oberhand. Wäre das nicht der winzige Punkt, der Kayros beinahe in Schockstarre verfallen ließ. Die Fingerzeichen kamen nun ganz automatisch, und er aktivierte eine gewaltige Menge Chakra. Seine Finger schlossen ein letztes Zeichen, eine Art Kreuz, und plötzlich sah man dreifach. Zwei Doppelgänger stürmten zu Mai und zu Itoe. Der erste kam bei Mai an in dem Augenblick, als der letzte Kristalldoppelgänger die Kunoichi feige von hinten in den Nacken geschlagen hatte. Triumphierend verwandelte er schon seinen Arm in einen kristallinen Speer, um ihr das Leben zu nehmen, als der Doppelgänger ausholte und Chakra in seiner Hand fokussierte. Er sammelte die ganze Energie in den Fingerknöcheln und ließ sie beim darauf folgenden Faustschlag frei, sodass Buntaro nur verdutzt gucken konnte, wie sein Doppelgänger unter dem Schrei von Kayros in feinen Kristallstaub zermahlen wurde – an der Wand fünfzehn Meter von seiner ursprünglichen Position. Der Doppelgänger nahm das Mädchen und zog sich mit ihr zu Mura und seinem Original zurück.

    Der zweite Kagebunshin, der zur anderen Chuunin geeilt war, hatte ebenfalls Chakra in seiner Hand gesammelt, allerdings in der Handkante. Der Schlag reichte aus, um den mit Jade überzogenen Boden aufzuspalten und die Skulptur transportfähig zu machen. In der Verwirrung durch Mai und dem ersten Doppelgänger schnappte sich also der zweite Itoe, die durch ihre Extraschicht Edelstein verdammt schwer war, und kehrte damit zurück zu den anderen.

    Der echte Kayros hatte unterdessen eine Nahrungspille genommen und schaute wütend zu Buntaro herüber. Die Hyorogan erhöhte die aggressive Art der Konsumenten, und dementsprechend zornig klang auch die Stimme des Jungen, der zu dem Ame-Nin herüberschrie. „Jetzt ist Schluss! Mit Shinobi aus Kaze no Kuni sollte man sich nicht anlegen.“ Kayros' gelben Augen funkelten wild, als das Okazegan sämtlich Farbe aus dem Blickfeld entfernte. Buntaro mochte sich überlegen gefühlt haben, aber er hatte eine Sache nicht bedacht: Die Abkömmlinge aus dem Hiragana-Clan hatten fast alle das Windelement im Blut. Aber das sollte ihm gleich sicher wieder in den Sinn kommen. Die beiden Doppelgänger heilten derweil Mura und Mai. Kayros würde Buntaro jetzt erledigen. Er stürmte nach vorne. Wind umspielte seine Kleidung. Aus seinem Schatten brach ein weiterer Doppelgänger hervor, doch der war anders als die bisherigen. Seine Mütze und seine Hose flatterten wild umher, und dann und wann blähte sich seine Jacke etwas auf. Kayros und sein Doppelgänger nahmen Muras Bruder in die Zange. Etwa zehn Meter voneinander entfernt standen sie nun vor und hinter Buntaro, der sich nicht die Zeit nahm, irgendetwas auf Kayros' Worte zu antworten. Der Doppelgänger befand sich auf dem Kristall, während der echte Hiragana-Spross auf einem Felsen stand.

    Mura und Mai waren sanft auf den Boden gelegt worden, ehe die Doppelgänger ihre Arbeit aufnahmen und sich um die Verletzungen der beiden kümmerten. Sorgsam schlossen sie jede Wunde, versorgten alle Hämatome und entzogen sogar die Rückstände der Kristallsplitter aus den Körpern der beiden. Einer der Doppelgänger reichte Mura eine Blutvermehrungspille, während der andere Mai wieder zu Bewusstsein rief. „Komm zu dir!“ Lächelnd schauten die beiden Hiragana-Klone zu den Kumo-Nins und halfen ihnen, aufzustehen. Anschließend gaben sie ihnen, allen voran Mura, die wenigen Vorräte, die Kayros noch dabei gehabt hatte.

    Buntaro hingegen schlug mit der Hand auf den Boden und brachte einen Chakraimpuls direkt unter den Doppelgänger. Als nichts passierte, wich sämtliche Farbe aus dem Gesicht des Verbrechers. Der Kazebunshin sprang nur nach vorne, schloss Fingerzeichen und ehe Muras Bruder reagieren konnte, löste er sich in einer gewaltigen zielgerichteten Druckwelle auf. Die Kraft war so gewaltig, dass nicht einmal das Kinobori Buntaro halten konnten, und so schleuderte sie ihn direkt in den echten Kayros, dessen Hände bereits vor Chakra glühten. Buntaro kollidierte mit einer Steinsäule einige Meter hinter dem Hiragana, der mit zwei Schlägen auf die Oberarme alle Sehnen durchschnitt und so die Arme zumindest temporär paralysierte. Von Buntaro durfte nun keine Gefahr mehr ausgehen. Er konnte keine Fingerzeichen mehr schließen und der Schmerz durch die gebrochenen Knochen hatten ihn bewusstlos werden lassen. Die beiden Schattendoppelgänger lösten sich zufrieden auf und Kayros sackte erschöpft zusammen. „Ich freue mich, dass es euch gut geht, Freunde.“ Kayros lächelte zu den beiden herrüber.
    Zuletzt bearbeitet: 3. Juli 2014
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  4. Kiyama Mura

    Kiyama Mura Active Member

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    Ehe er so recht wusste, wie ihm geschah, fand sich Mura auf dem Rücken liegend wieder. Am Ende seiner Kräfte realisierte er nur mit Mühe, aus welch prekärer Lage er nur wenige Augenbliche zuvor von der Sakaida gerettet worden war. Die Wurfgeschosse konnte er nur als dunkle Flecken verschwommen wahrnehmen. Auch die Tatsache, dass sich ein weiblicher Körper nur wenige Zentimeter von ihm entfernt befand, störte den eigentlich recht schüchternen, sich aber am Rande der Erschöpfung befindlichen Kiyama gar nicht mehr. Denn mit seiner unfreiwilligen Notlandung war auch jede Kraft aus seinem Körper gewichen. Sein ziemlich plumper Versuch einer Attacke war nicht mehr als ein letztes verzweifeltes Aufbäumen gewesen. Ein Aufbäumen, das nun endgültig sein Ende gefunden hatte. Denn während Mai sich zügig erhob, um Kayros bei dem unerbittlich geführten Kampf mit Buntaro zu unterstützen, schwanden Mura langsam die Sinne und Dunkelheit verschleierte seinen Blick. Er wollte sich noch aufrichten und zumindest einen Blick auf den Kampf erhaschen, aber sein Körper verweigerte ihm den Dienst. Langsam sank er zurück.
    Er würde kurz die Augen schließen…nur ganz kurz…

    Mura fand sich an einem ihm nur allzu bekannten Ort wieder. Das kleine Häuschen in dem kleinen Örtchen Shinoha war so lange seine Heimat gewesen, dass er jede Ecke, jedes Balken und jedes Knarzen auf Anhieb erkannte. Hier war seine Heimat. Hier wollte er leben und sterben. Mit einem zufriedenen Lächeln schaute sich der Kiyama um. Sein Vater und zwei von ihm geschaffene Doppelgänger bestellten gerade die Felder hinter dem Haus. Seine Mutter lief nur wenige Schritte hinter ihm her, musterte kritisch das Werk ihres Gatten und griff hier und da nörgelnd ein. Ein Lächeln huschte über das Gesicht des Jungen. Sein Vater bemühte sich ja redlich, aber man merkte, dass ihm die jahrelange Erfahrung eines Bauern fehlte. Am Rande des Feldes hatte Buntaro auf einem Baustumpf Platz genommen und schnitzte mit seinem Messer an einem Stück Holz. Was sein Bruder da wieder bastelte, konnte Mura nicht feststellen. Sein Blick wanderte unwillkürlich zu seinem Schoß und der Holzflöte, die er dort in Händen hielt. Natürlich war sie nicht so schön und vollkommen wie die, die er von seinem Vater geschenkt bekommen hatte, aber das machte sie in seinen Augen nicht weniger wertvoll. Ja, sein Bruder hatte wahrlich das Talent seines Vaters Eto geerbt. Plötzlich griff zwei Kinderhände den Kiyama von hinten.
    MUA… Mua, Rücken. Will reiten.
    Seine kleine Schwester war noch kaum der Sprache mächtig und wankte und stolperte bei jedem Schritt, den sie tat. Mura hatte eine Schwäche für seine kleine Schwester, während Buntaro Miako eher als störend und nervig empfand. Schließlich war es seit der Geburt der Kleinen die wichtigste Aufgabe der beiden Jungen gewesen, auch ja immer auf das jüngste Familienmitglied aufzupassen. Miako, die immer wieder von Buntaro als nerviges Gör abgewiesen worden war, hatte daher auch schnell Mura als ihren Lieblingsbruder identifiziert. Doch als Mura sich herumdrehte und ihr breit lachend die Hand reichte, um sie auf seinen Rücken zu heben, erstarrte die kleine Kiyama unvermittelt. Vollkommen bleich und mit aufgerissenen Augen stand sie da und schaute auf einen Punkt hinter Mura. Der Junge merkte, wie ihm ein Kloß die Möglichkeit nahm zu schlucken. Nervös drehte er sich um. Mit einem energischen Schritt und einem geradezu bösartigen Lächeln auf den Lippen kam Buntaro auf seine beiden Geschwister zu. Doch das nahm Mura nur am Rande wahr. Denn sprachlos starrte er auf die beiden Körper seiner Eltern, die niedergestreckt und blutend auf dem frisch bestellten Feld lagen, und sich nicht rührten. Dann entdeckte er einen blutigen Holzkunai in der Hand seines geliebten Bruders. Seine Lippen formten stumm das Wort…
    Warum?

    Mura wurde von der sanften Stimme des Sunanins geweckt, der sich über ihn niedergebeugt hatte. Wärme stieg in seinem geschundenen Körper auf und er merkte, dass ihm seine Glieder mehr und mehr zu gehorchen anfingen. Ah, er wurde geheilt. Es war vorbei. Mura lehnte sich zurück und wäre fast wieder ohnmächtig geworden, als er realisierte, was das bedeutete.
    Buntaro? Wo ist er?
    Der junge Kiyama stieß ein kurzes Gebet an seinen Körper aus.
    Bitte, bitte schenk mir noch einmal die Kraft, mich zu erheben.

    Langsam und mit Mühe erhob sich der junge Kumonin, nachdem ihm der Doppelgänger des Hiraganas dies gestattete. Er hatte sich gerade erst erhoben und war wankend auf die Beine gekommen, als sich die Doppelgänger auflösten und Kayros seinerseits erschöpft in sich zusammensackte. Mit gebrochener Stimme richtete er erstmals auch das Wort an den Sunanin, der so viel für ihn riskiert hatte.
    Danke, danke für alles. Ich weiß nicht, was ich sagen soll.
    Bevor er in die unangenehme Lage geraten konnte, sich spontan einige Worte des Dankes zu überlegen, war ein lautes Brüllen zu hören, das für ihn dieses Problem löste. Scheinbar waren die Katzenwesen durch die Absperrungen gebrochen und damit war der Zeitpunkt gekommen, endlich von diesem unheimlichen Ort zu verschwinden. Es war nur eine Frage der Zeit, bis es hier nur so von den Kreaturen wimmeln würde.
    Kayros, Mai, bitte nehmt Itoe mit und versucht einen Ausweg für uns zu finden.
    Mura beugte sich nach vorne und griff nach einem Stück scharfkantigen Kristall, das sich bei der Befreiung Itoes gelöst hatte und ging langsam auf Buntaro zu.
    Ich werde sofort nachkommen. Ich muss nur noch eine Kleinigkeit erledigen.
    Kurz hielt Mura inne und drehte sich zu den beiden Chuunin um.
    Bitte, vertraut mir.
  5. Sakaida Mai

    Sakaida Mai Chuunin

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    Was haben sie denn?“, fragte Mai Mura und nahm neben ihm auf der Decke Platz. Umgeben von satten, grünen Wiesen und über ihnen ein Baum, welcher kühlen Schatten spendete, an diesem wunderbaren Sommertag. „Ich weiß es nicht, ich bin auch gerade erst gekommen.“, antwortete der blonde Kumo-Nin mit einem Schulternzucken. Ebenfalls auf der großen Decke saßen Kayros und Itoe, welche vor wenigen Sekunden noch einen bösen Blick austauschten, ehe er die Augen verdrehte und sie ein genervtes Seufzen ausstieß. „Was sich neckt, das liebt sich.“, kicherte Mai und lehnte sich zurück, da sie müde wurde. „Und warum streitet ihr dann nicht?“, konterte Itoe und deutete auf Mura. Mai konnte darauf nicht antworten, zu sehr hatte sie die Müdigkeit überrollt. Es schien ihr das Paradies zu sein. Hier mit ihren Freunden, sie alle vier. „Komm zu dir!, hörte sie Kayros, was Mai nur grummeln ließ. Warum zwitscherten die Vögel nicht mehr? „Komm zu dir!, hallte es wieder. Kalt war es geworden.

    Mhmm..“, kam es grummelnd von Mai, ihr Kopf schmerzte noch ein wenig. Eine kleine Welle der Enttäuschung überkam das Mädchen, da sie die Realität schneller, als es ihr lieb gewesen war, wieder einholte. Sie waren noch immer in diesem verdammten Berg, umgeben von mattem Licht und kalter, fahler Luft. Es war bereits das zweite Mal, dass Mai während dieser Mission von einem schönen Sommertag träumte. Es wurde endgültig Zeit, dass sie die Mine wieder verlassen! Und zwar alle gesund und munter!
    Ein ohrenbetäubender Knall ließ Mai urplötzlich aufschrecken und half ihr dabei, endlich wieder wach zu werden. Nun war sie wieder ganz da und fühlte sich wie neugeboren. „Das habe ich bestimmt Kayros zu verdanken.“, fuhr es dem Mädchen durch den Kopf, während ihre Erinnerungen an die letzte Stunde wieder zurückkehrten. Es ging zu schnell, viel konnte Mai nicht erkennen, doch allen Anschein nach hatte der Suna-Nin Buntaro absolut außer Gefecht gesetzt. Diese Demonstration war beeindruckend gewesen! „Ich wusste nicht, wie stark er ist.“, dachte der Blauschopf und war stolz, Kayros zum Freund zu haben.

    Als dieser wieder bei Mura, Itoe und Mai war, sackte er zunächst einmal zusammen. Trotzdem ließ er es sich nicht nehmen, seine Erleichterung und Freude darüber, dass alle wohlauf sind, mitzuteilen. „Das ist dein Verdienst, vielen Dank dafür!“, entgegnete Mai ebenfalls lächelnd, ehe sie überrascht zu Mura sah. Auch er schien wieder zu sich gekommen zu sein. Einen Moment lang dachte Mai, dass sie es geschafft hatten. Dass nun alles wieder gut werden würde! Doch dann erklangen die markerschütternden Schreie der Katzenwesen und erneut schien alles von vorne zu beginnen. Okay, ein neuer Plan muss her. Am besten, sie würden nun-
    Verdattert sah Mai zu Mura. War das Ärger, welcher in ihr aufstieg? Wann verstand er endlich, dass er im Moment eben nicht in der Verfassung war, in dieser Situation alleine zu handeln? Erst vor kurzer Zeit rettete sie ihn vor dem sicheren Tod, doch anscheinend wollte Mura das nicht wahrhaben! Einen Ausweg sollten sie suchen? Hatte Mura denn überhaupt die Absicht, noch nachzukommen oder sah er das als seine letzte Aktion an? Mai schnappte bereits nach Luft, um Mura’s Unterfangen sofort im Keim zu ersticken. Doch seine nachfolgenden Worte und der Ausdruck in seinen Augen ließen Mai innehalten. Ihm vertrauen? Mai war diejenige, welche sich dafür eingesetzt hatte, dass sie alle Mura vertrauen sollten, dass er ihnen nicht in den Rücken gefallen war. Schön! Würde sie ihm eben noch einmal vertrauen schenken! „Aber ich mache es nicht gern!“, nörgelte sie gedanklich, tauschte einen kurzen Blick mit Kayros aus und nickte dem Suna-Nin schließlich kurz zu. Dann sah Mai wieder zu Mura, ihre Augen formten sich zu schmalen Schlitzen, die Herzlichkeit war aus ihrem Gesicht gewichen. „Du brauchst nicht länger, als nötig. Du kommst sofort nach, wenn du fertig bist und dauert es länger, als fünf Minuten, dann werde mindestens ich zurückkommen und hier ebenfalls sterben.“, sprach sie und keiner der Anwesenden hatte Mai wohl bisher so sprechen gehört. „Das garantiere ich dir.

    Ein letzter Blick zu Mura, ehe Mai sich von ihm abwandte. Sie musste sich beruhigen, solche Angst hatte sie um ihn. Doch der Blauschopf glaubte, dass diese ärgerliche Art nun effektiver war, als Mura ihre Sorge offen zu zeigen. Für sie war ein vielleicht sogar ein Test: Konnte sie wirklich so sehr auf ihn vertrauen, wie sie gedacht hatte? Kayros schien ebenfalls nicht einverstanden zu sein und machte dies auch deutlich. Doch Mai griff nach seiner Hand, schüttelte schwach den Kopf und bat den Suna-Nin, Itoe zu schultern. „Ich werde vorgehen, um uns den Weg zu leuchten.“ Wieder ein Blick zu Mura. „Hab‘ mich um entschieden. Du hast nur vier Minuten.“ Kein Funken Freundlichkeit in ihrem Ausdruck. „Bitte enttäusch mich nicht und komm nach.

    Die Gruppe entschied sich bewusst dafür, vor den Katzenwesen zu flüchten und den Ausgang in der entgegengesetzten Richtung zu suchen. Nun wäre es mehr als hilfreich, Itoes Byakugan nutzen zu können, doch die hing nur über Kayros‘ Rücken. Gedanklich zählte Mai die Sekunden, um rechtzeitig umkehren zu können und ihre Drohung wahr zu machen. Doch noch ehe die Zeit abgelaufen war, merkten die Freunde, dass jemand hinter ihnen aufschloss. Mai wandte sich um, leuchtete in Mura’s Richtung und lächelte ihn kurz an, ehe sie sich schnell wieder abwandte, damit keiner ihre Freudentränen sehen konnte.
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  6. Hiragana Kayros

    Hiragana Kayros Chuunin

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    Vertrauen? Wofür hielt er sich? Kayros schaute fragend zu Mura, doch Mai reagierte zuerst. Sie schenkte ihm ihr Vertrauen. Und was die anderen beiden Chuunin anging? Die hatten ihr eigenes Problem, wie Kayros und Itoe gerade auffiel, als die Beine der Chuunin ihr nicht gehorchen wollten. Kayros zischte genervt. Ernsthaft, er hat soeben noch Muras verdrehten Bruder umhauen müssen, jetzt musste er sich mit der nächsten Nervensäge herumschlagen? „Itoe, ich trag dich. Deine Durchblutung hat vermutlich unter dem Kristall gelitten“, hörte der Suna sich sagen. Irgendwie klang das fremd. Nicht die Art der Höflichkeit, sondern die Adressatin. Und Mura? Der war bereits losgegangen, als Kayros seine Kamerfeindin auf die Schultern nahm. Der Hiragana drehte sich zum Haupteingang, als ein Lufthauch seine Frisur durcheinanderbrachte. „Ach!“, entfuhr es dem jungen Mann. Wo war seine Mütze? In dem Geschehen vorher hatte er einfach schlichtweg vergessen, dass er sie nicht mehr besaß. Irgendwie fühlte er sich nackt. Suchend wandte er seinen Kopf hin und her.

    Plötzlich zischte es in einer dunklen Ecke. „Nee-san!“, zischelte Sakari quietschvergnügt. „Als du gesagt hast, dass ich mich verstecken sollte, habe ich plötzlich eine Witterung aufgenommen und das hier gefunden! Ich hoffe, du freust dich!“ Der Hiragana schielte zu seiner weißäugigen Gefährtin. Er ging ein paar Schritte, Itoe auf dem Rücken tragend, als ihm ein Tisch auffiel. Und tatsächlich... „Meine Schwerter!“ „Meine Mütze!“ Itoe glitt von ihrem Träger hinunter und stolperte ungeschickt zu ihren Waffen. Sakari indes schlängelte sich zischelnd wieder zu ihrer Partnerin hinauf. „Anei-nii-san ist schon vorausgekrochen zum Spähen, denn diese Lehmskulpturen sind noch überall. Wie gut, dass wir Schlangen nicht schwitzen, so hinterlassen wir auch keine Duftnoten!“ Kayros setzte sich wieder seine Mütze aufs Haupt, während Itoe ihre Waffen wieder versiegelte. Scheinbar war das Mädchen, was die Gruppe angegriffen hat, eine Souvenierjägerin gewesen. Jetzt konnten sie ja endlich los gehen. Ob Mai sauer war, dass sie so trödelten?

    Kayros nahm, ohne etwas zu sagen, die Hyuuga wieder auf den Rücken, während Mai zu einer Fackel ging, aber dann zögerte. „Wir sollten trotzdem eine Fackel mitnehmen, denn Sakari hat recht. Auch ohne Fackel sind wir weithin riechbar, wenn sie einen Geruchssinn haben.“ Kayros lächelte seiner Freundin zu und nickte dann. Mai erwiderte das Nicken und ging dann voran, in die nun nicht mehr ganz so finstere Dunkelheit. Plopp. Plopp.

    Plopp. Stalaktiten ließen winzige Tropfen des Wasser aus der umgebende Luft kondensieren und sind in kleinen Pfützen am Boden sammeln, wo sie erneut irgendwann ihre Reise begangen. Plopp. Lautlos ging Mai voran, während Kayros nicht ganz so lautlos hinterherstapfte. Die Luft war kühl, aber irgendwie muffig. Sakari kroch von Zeit zu Zeit aus einem Ärmel hervor, lugte ein wenig zu ihrem Träger, ließ ihre Zunge zur Witterung hervorschnellen und kroch sich dann wieder in den armen Rückenbereich ihrer Partnerin zurück. Plopp. Und dann plötzlich leuchteten zwei Augen in der Dunkel, den Schein des Feuer reflektierend. Kayros blieb stehen, und auch Mai fixierte den Glanz mit Argwohn. Itoe seufzte. „Danke, dass du uns so viel geholfen hast, Anei“, sagte sie zu den Augen, die sich vom der Wand wie ein Schatten lösten und ihre Tarnung aufgaben. „Du kannst dich zurückziehen.“ „Sehr wohl, Sha...“, zischelte sie und verschwand in Rauch. Sie gingen weiter. Nun zu fünft, denn Mura hatte aufgeschlossen. Sie sprachen kein Wort, sondern horchten nach irgendwelchen auffälligen Geräuschen. Plopp. Der Weg wurde steiler, die Luft unmerklich besser. Irgendwann entschied sich die Hyuuga, wieder auf eigenen Beinen zu stehen. So konnten sie nun schneller und da Kayros nicht mehr so belastet war, leiser vorankommen. Irgendwann hörten sie Geräusche. Das Schlagen von Flügeln. Aber ohne Federn. „Fledermäuse“, flüsterte Kayros und wirkte glücklich. „Ihre Höhlen sind nahe den Ausgängen, wo sie jagen und nachts fliegen. Da sie hier sind, scheint es noch Tag zu sein.“ Sie hatten es fast geschafft, vielleicht nur noch drei, vier Kurven...
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  7. Kiyama Mura

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    Mura betrachtete nachdenklich die Pforte, durch die die drei Shinobis, die nach all den Strapazen nur widerwillig ihren Kameraden zurückgelassen hatten, verschwunden waren. Der Kiyama konnte ihnen ihr Zögern und Zweifeln nicht verübeln. Er hatte an Vertrauen eingebüßt und das mit vollem Recht. Er befürchtete beinahe, dass dieser Makel, dieser Fleck in ihrer Beziehung zueinander vielleicht sogar dauerhafter Natur sein würde. Er bedauerte diesen Umstand, waren ihm doch die drei zu Freunden geworden. Aber wenn er ganz ehrlich zu sich war, glaubte er nicht, dass er in einer ähnlichen Situation wirklich anders gehandelt hätte. In vollem Bewusstsein durch sein Handeln seine Freunde, seine Dorf und seine Prinzipien zu verraten, hatte er gehandelt. Aber obwohl er so schon seinen Geist und seine Seele vor den bevorstehenden Repressalien hatte wappnen können, waren die Blicke Mais und Kayros´ wie Dolchstoße für ihn gewesen. Aber das war es nicht allein. Denn die Opferbereitschaft seiner Freunde war auch nicht gerade tröstend, sie war beinahe ein noch schwereres Erbe als das, das er von seiner Familie geerbt hatte. Als Mura die Erschöpfung, die Wunden und Schrammen seiner Retter gesehen hatte, hatte eine kalte Hand sein Herz umschlossen. Er fühlte sich so schlecht ihnen gegenüber, er konnte sich nicht vorstellen, wie er ihnen in Zukunft gegenübertreten sollte. Und das alles wegen Buntaro.
    Buntaro…
    Mit einem traurigen, nichtsdestotrotz entschlossenen Blick wandte er sich wieder ganz seinem noch immer ohnmächtigen Bruder zu. Die spitze Kristallscherbe, die er gerade aufgelesen hatte, hielt er mit seiner Rechten so fest umschlossen, dass sie seine Haut aufgerissen hatte und ein wenig Blut die Klinge entlang herabfloss. Gemäßigten Schrittes legte er die letzten Meter zu seinem Folterknecht zurück. Schließlich kam er nur wenige Zentimeter vom Körper seines Bruders entfernt zum Stehen und ging in die Knie. Ein Moment lang betrachtete er die Gesichtszüge des schlummernden Shinobis mit ausdrucksloser Miene. Nur seine Augen irrten wild hin und her und zeigten, dass seine nach außen hin gezeigte Ruhe nichts anderes als eine Fassade war. Jetzt, wo er seinem Folterknecht so nah war und ihn in Ruhe betrachten konnte, überkamen ihn Zweifel. Irgendwie konnte er doch in dem jungen Mann vor sich seinen Spielkameraden aus Kindertagen wiedererkennen. Am Kinn konnte er eine kleine Narbe sehen, die er seinem Bruder in kindlichem Übermut geschlagen hatte. Damals hatten sich die beiden mit Stöcken einen Schwertkampf geliefert, der durch einen etwas zu heftigen Hieb Muras ein ungewolltes Ende gefunden hatte. Am Hals sah er das Muttermal, das in seiner Größe und Form unverkennbar das seines Bruders. Ach, es gab so viele Details und Erinnerungen, die er mit dem Gesicht verband. Unbewusst hob er seine freie Hand und streckte sie nach dem Gesicht des Bewusstlosen aus. Doch kurz bevor seine Fingerkuppen die Wange des älteren Kiyamas berühren konnten, brach er die Bewegung ab.
    Nein...
    Die Person vor ihm war vielleicht mal sein Bruder gewesen, aber Folter, Mord und Wahnsinn hatten das geändert. Er hatte Mura unaussprechliche Schmerzen zugefügt, hatte eine gefährliche und tausende Menschen bedrohende Waffe in Betrieb genommen und das größte Verbrechen die eigene Mutter ermordet.
    Verdammt. Wie hatte er das nur tun können? Mama…
    Mura spürte, wie die Gefühle für seinen Bruder bei diesem Gedanken zu einem kümmerlichen Rest verkamen. Dieser Mensch hatte gar nicht verdient, was er jetzt für ihn tat.
    Die Hand, die gerade noch die Finger nach Buntaros Wange ausgestreckt hatte, vollführte nun stattdessen einen heftigen Schlag. Ein Stöhnen entfloh den Lippen des Bewusstlosen.
    Hey, werd wach.
    Tatsächlich öffnete der ältere der beiden Kiyamas langsam seine Augen, war aber noch weit davon entfernt wieder ganz auf dem Damm zu sein. Kayros hatte ihm ganz schön zugesetzt. Mura jedoch dachte gar nicht daran, darauf Rücksicht zu nehmen. Mit seinen Händen stopfte er die scharfe Kristallscherbe in den Boden, sodass die Spitze steil herausragte.
    Deine Glieder sind zerschmettert und du kannst wohl keine Fingerzeichen bilden. Deine idiotische Rache an mir ist ebenso gescheitert wie der Plan, diese Kreaturen zu befehligen. Eigentlich hast du das gar nicht verdient, aber ich will dir eine Wahl lassen. In einer Minute, vielleicht auch schneller, werden die Katzen hier reinplatzen und dir ein furchtbares Ende bereiten. Es wäre eigentlich nur fair, dass dein Leben langsam und qualvoll endet. Aber ich möchte dir die Gelegenheit eines schnelleren Endes geben.
    Muras Blick wanderte zu dem im Boden verankerten Kristallsplitter, ehe er wieder zu seinem Bruder wanderte. Es war wohl offensichtlich, worauf er hinauswollte.
    Mehr kann und will ich nicht für dich tun.
    Mit diesen Worten wandte er sich von Buntaro ab und es war das letzte Mal, dass er seinen Bruder sah. Für welchen Abgang sich dieser wohl entschied?

    Wenige Minuten später hatte Mura zu seinem Rettungsteam aufgeschlossen. Seine Miene war freudlos und ernst. Die Reaktionen seiner Gefährten nahm er nur am Rande wahr, viel zu sehr war er mit selbst beschäftigt. Die Gruppe eilte nun durch die zahlreichen Gänge der Anlage. Sie warteten nur darauf, dass irgendwo links oder rechts in einer Abbiegung eine Gruppe dieser Katzenwesen auf sie wartete. Und das wäre auch ihr Ende. Auf jeden von ihnen hatten die Erlebnisse in den Tunnelgewölben ihre Spuren hinterlassen. Eine Begegnung mit diesen Kreaturen mochte also durchaus ihr Ende bedeuten. Doch da…
    Kayros verstand als erster die Bedeutung der flatternden Geräusche. Hätte Muras Hirn nicht nur noch auf Sparflamme gearbeitet, er hätte die gleichen Schlüsse wie der Hiragana gezogen. Sie hatten einen potentiellen Ausgang gefunden. Sie mussten nur noch ein kleines Stück zurücklegen. Selbst Mura gönnte sich einen kurzen Moment der Freude.
    Schon hatten sie eine kleine Tropfsteinhöhle erreicht, an deren Ende sie helles Tageslicht ausmachen konnten. In diesem glückseligen Moment bremste Mai unversehens ab und auch die restlichen Mitglieder der Gruppe konnten den Grund des Stopps erkennen. Denn eine Meute aus dreißig Katzenkreaturen hatte sich dort versammelt. Schwanzwedelnd vor lauter Erregung belauerten sie die kleine Gruppe Shinobi und konnte den Chakra- Leckerbissen kaum erwarten.
    Was nun?
  8. Kiyama Mura

    Kiyama Mura Active Member

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    Mura stand Rücken an Rücken mit seinen Kameraden und wartete nur darauf, dass eine der unnatürlichen Kreaturen den ersten Schritt machte. Sich räkelnd und mit vor lauter Aufregung wild umherwippenden Schwänzen belauerten sie ihre Opfer. Obwohl die Wesen das Fressen und Vernichten ihres Chakras kaum erwarten konnten, zögerten sie noch, als würden sie noch ein unbekanntes Signal zum Angriff erwarten. So hatte aber auch Mura die Möglichkeit, für einen kurzen Moment ihre Lage zu analysieren. Doch viel festzustellen oder zu überlegen gab es nicht. Ihre Lage war aussichtslos. Mai und Kayros hatte der Kampf gegen die Katzenwesen und Buntaro stark gezeichnet. Zuletzt hatte der Hiragana auch noch zwei seiner Kameraden heilen müssen, sodass es mittlerweile mehr als unwahrscheinlich war, dass er noch über immense Chakravorräte verfügen durfte. Mai, die sich teilweise von der Gruppe getrennt alleine hatte durchschlagen müssen und als unerfahrenste der Chuunin galt, hatte zwar Erstaunliches im Kampf gegen Katzenwesen und Kristalldoppelgänger geleistet, aber am Ende hatte ihr Können auch nicht ausgereicht, um einen fiesen Schlag abzuwehren, der sie mit voller Wucht getroffen hatte. Der Kiyama selbst dagegen hatte alle Kämpfe nur als Zuschauer erlebt, die tagelangen Strapazen und Quälereien seines Bruders hatten ihn jedoch in einen Zustand versetzt, wo er fern von Gut und Böse war. Um ehrlich zu sein, kam es einem Wunder gleich, dass er überhaupt noch stand. Ihr einziges noch halbwegs fittes Mitglied stellte Itoe dar, die einen guten Teil des Kampfes gegen Buntaro in Stasis verbracht hatte. Doch auch die Hyuuga war nur ein Schatten ihrer Selbst. Denn der Hyuuga-Taijutsu-Stil legte großen Wert auf den sicheren Stand und die Wendigkeit seines Anwenders. Itoe hatte allerdings von dem ihr so verhassten Sunanin quer durch alle Tunnel getragen werden müssen, da ihre Glieder nach der Kristallisation nicht ganz ihren Wünschen entsprechend agierten. Einen Kampf unter diesen Bedingungen für sich zu entscheiden, wäre schon bei der Hälfte der Gegnerzahl ein Ding der Unmöglichkeit gewesen. So blieb ihnen als einzige Alternative die Flucht, doch die künstlichen Wesen legten keinerlei Erschöpfung an den Tag, sodass Mura berechtigte Zweifel hatte, ob diese überhaupt eine Pause brauchten. An eine Flucht war also auch nicht zu denken.
    Es bleiben also nur der Kampf und damit der Versuch, sich möglichst teuer zu verkaufen.
    Mura schaute traurig zu Boden, als sich seine Lippen bewegten.
    Das ist wohl die Endstation…Es tut mir so leid. Ic…
    Mura hatte gerade erst zum Reden angesetzt, als plötzlich ein Surren, das die Luft um sie herum erfüllte, ihn irritiert stoppen ließ. Gleich drei oder vier der Kreaturen sanken unerwartet und lautlos zu Boden. Doch noch ehe Mura realisieren konnte, dass die Wesen gerade von mehreren Wurfgeschossen getroffen worden waren, sprang plötzlich ein ganzes Dutzend vermummter Gestalten aus den Schatten hervor und attackierten die Katzenwesen. Diese wussten am Anfang nicht, wie ihnen geschah, fassten sich dann allerdings schnell und ein kurzer, recht blutiger Kampf entbrannte. Einige Kreaturen schossen auch sogleich auf die Gruppe um Mura zu, doch immer wieder stellte sich einer der Neuankömmlinge den Wesen entgegen und versuchte sie abzufangen. Leider blieb es gelegentlich nur bei diesem Versuch. Nun, wo der Kiyama die Kreaturen das erste Mal aus der Nähe sehen, die Blutgier in den Augen erkennen und ihre enormen Kräfte spüren konnte, gelang es ihm, sich überhaupt erst einmal einen Eindruck zu verschaffen, wie gefährlich diese Wesen waren. Zwar waren die fremden Helfer durch ihre Fähigkeiten und Bewaffnung den Monstern überlegen, aber die Regenerationsfähigkeiten der Lehmwesen kompensierten diesen Vorteil.
    Am Ende des Kampfes lagen dennoch alle Katzenwesen und mit ihnen zwei der unbekannten Shinobi zerfetzt am Boden, während sich zwei andere nur mit Hilfe ihrer Kameraden erheben und fortbewegen konnten. Ein Teil der Unbekannten zog sich daher zurück, während sich die zweite Hälfe an den Säulen des Ausganges zu schaffen machte. Irritierenderweise schien sich niemand dazu verpflichtet zu fühlen, den vier Shinobi der Shiro-Allianz ein wenig Aufmerksamkeit zu schenken.
    Schon hatte Mura protestierend seinen Arm gehoben, als eine Gestalt, die bis dato noch vollkommen in den Schatten untergetaucht war, lächelnd hervortrat. Auf jegliche Tarnung verzichtend kam ihnen eine in leuchtendes Rot gekleidete Frau entgegen, die ein Schirm in passender Farbe in Händen hielt. Diese wirklich schöne und leicht aufreizend gekleidete Frau musterte die Gruppe mit durchdringenden Augen, die unter dem schwarzen, leicht gewellten Haar hervorlugten.
    Wie ich sehe, habt ihr es herausgeschafft. Ich muss gestehen, damit habe ich nicht gerechnet. Und es passiert selten, dass mich jemand überrascht. Moment…
    Plötzlich wanderten die Augen der Frau nach links. Mura folgte ihrem Blick, konnte aber erst Sekundenbruchteile später eine Gestalt erkennen, die sich im Halbdunkel annäherte. Auch dieser Vermummte tat es seinen Gefährten gleich und ignorierte die Gruppe der Überlebenden. Stattdessen trat er direkt an die Seite der unbekannten Schönheit und flüsterte ihr einige Sachen ins Ohr. Diese nickte nur kurz und gab dann dem Mann mit einem Wink zu verstehen, dass er verschwinden könne.
    In einer Minute wird es hier nur so von diesen Kätzchen wimmeln. Zumindest theoretisch. Denn genau das sollen die von uns angebrachten Sprengladungen verhindern. Ich denke nicht, dass es in eurem Sinne ist, dann noch hier zu verweilen.

    Epilog
    ~Eine Wochen später in Shirogakure~

    Es war früher morgen, als Ichiro sich mit einem Kuss von seiner Frau verabschiedete. Ein leichtes Seufzen entfloh seinen Lippen, als er die Haustür hinter sich schloss. So sehr er sich auch freute, dass es sich seine Gemahlin nun nach fünf Jahren Ehe noch immer nicht nehmen ließ, ihn morgens beim Aufbruch zur Arbeit zu verabschieden, wäre es ihm mittlerweile lieber, sie würde sich ein wenig schonen. Denn seine Frau erwartete nun bald ihr erstes gemeinsames Kind. Vielleicht war es gerade die Tatsache, dass er noch keine Ahnung hatte, was ihn als Vater erwartete, dass er seine Frau wie ein rohes Ei behandelte. Trotzdem dachte er die ganze Zeit, als er seinen kleinen Stand aufbaute, an nichts anderes als an seine Familie. Ichiro war übrigens Zeitungshändler und damit einer der Menschen, der schon in aller Frühe aufbrach, um die Lieferungen und Papierstapel entgegenzunehmen. Doch so sehr er auch seinen Beruf mochte, den Kontakt mit den Menschen, das Austauschen der neuesten Gerüchte, all das war ihm im Moment mehr Last als alles andere. Es war vielleicht Zufall aber sein Blick fiel beim Aufräumen auf einen Zeitungsartikel. Mit einem Mal wurde ihm bewusst, dass er sich nun schon eine ganze Woche nicht mehr mit den aktuellen Begebenheiten auf dem Kontinent beschäftigt hatte. Eigentlich eine Unmöglichkeit in seinem Beruf. Es gab niemanden dem er deswegen Rechenschaft schuldig war, aber es gehörte doch schon zum guten Ton, über die aktuellsten Ereignisse Bescheid zu wissen und hier und da mal mit einem Kunden über diese Entwicklungen zu sprechen. So entschied er sich, dann doch eine der Zeitung aufzuschlagen, war er doch heute ohnehin gut in der Zeit. Tatschlich gab es in der Region der Shiroallianz kaum etwas Nennenswertes zu berichten. Immerhin ein Artikel im Bereich Kumogakurea erregte seine Aufmerksamkeit. Anscheinend hatte es eine Gruppe Räuber geschafft, eine Reihe kleinerer Dörfer und Weiler zu überfallen. Dadurch, dass die meisten dieser Örtchen abgelegen waren, war es lange Zeit niemandem aufgefallen. Doch nun hatte man wohl mit Untersuchungen begonnen. Weiter hieß es, dass man aber wohl nicht davon ausgehen könne, noch irgendwelche brauchbaren Spuren erkennen zu können. Scheinbar hatten Regen und Zeit schon längst alle Spuren verwischt, sodass selbst die ausgebildeten Nin-Ken der Shinobis nicht weiter wussten. Während Ichiro dies las, war er richtig froh, im Schutze einer Stadt zu leben. Wäre nicht in diesem Moment eine Kundin erschienen, die in ihrem aufreizenden Kleid sogleich die Aufmerksamkeit des künftigen Familienvaters erregte und ihn die Zeitung zur Seite legen ließ, hätte er noch auf beim Lesen des nächsten Artikels feststellen können, wie trügerisch seine Vorstellung war. Denn dort war von dem vom Schicksal geplagten Yugakure, das nach einem Brand im Stadtkern und einem Erdbeben in Stadtnähe mit rückläufigen Besucherzahlen zu rechnen hatte. Da für den Brand eine Gruppe betrunkener Shinobis der beiden verfeindeten Allianzen verantwortlich waren hatten sich die Großstädte Sora- und Shirogakure dazu bereit erklärt, die Schäden am Stadtkern durch finanzielle Aufwendungen auszubessern. Hätte Ichiro geahnt, wie hoch die nicht genannte Summe an Fördermitteln ausgefallen war, er wäre bestimmt ins Grübeln über die außerordentliche Höhe des Geldbetrages gekommen. Anders als seine Kundin, die ihm ein zartes Lächeln schenkte, als sie dem Straßenverkäufer eine seiner Zeitungen abkaufte. Beim Gehen blieb die feine Dame noch kurz stehen.
    Sie sollten ihre Zeitungen ein bisschen weiter unter die Überdachung stellen. Es wird gleich regnen.
    Überrascht starrte der Mann gen Himmel. Zwar war es ein bisschen bewölkt, doch nicht dunkel. Und selbst, wenn ei…
    In diesem Moment setzte ein richtiger Wolkenbruch ein und der Mann stürzte überhastet nach vorne, um seine Ware in Sicherheit zu bringen.

    Mit einem Schmunzeln betrachtete ihn die Fremde, die dann aber auf dem Absatz kehrt machte und unter ihrem roten Schirm die Straße entlanglief. Es war für sie doch immer wieder erstaunlich, wie unbedarft doch manche Menschen waren. Niemand von den Menschen, die sich gerade mit schnellem Schritt vor dem Regenwasser in Sicherheit brachten, ahnte auch nur, wie knapp ihre Allianz einem Krieg entkommen war. Niemand wusste, dass es eine kleine vierköpfige Gruppe von Shinobis gewesen war, die auf der Suche nach einem verschwundenen Kameraden mehr aufgedeckt hatten, als ihnen lieb sein konnte. Doch nur mit Hilfe dieser etwas unbedarften Gruppe hatte sie zusammen mit ihren Anbu-Gruppe das Geheimlabor Miyoshi Etos überhaupt erst finden können. Seit etlichen Jahren hatte man sich auf der Suche nach dieser Forschungseinrichtung gemacht, nachdem Eto wenige Tage bevor er das Versteck verraten wollte, von einer nicht näher identifizierbaren Gruppe ermordet worden war. Der Mann hatte sich damals gegenüber ihrem Vorgänger in der Geheimorganisation immer sehr kooperativ gezeigt. Schließlich war der Überläufer aus Amegakure jüngst Vater geworden. Nach eigener Aussage hatte er sein Werk immer bereut und wollte nicht, dass eines Tages diese Kreaturen den gesamten Kontinent mit Tod und Krieg überschütteten. Sie kannte diese Akte nur zu gut, hatte sie sich doch als Kopf einer Anbu-Einheit viele Jahre mit diesem Fall beschäftigt. Doch trotz all ihrer Erfahrung war dieser Fall nicht spurlos an ihr vorübergegangen. Denn auch sie war sich der Ironie bewusst, die die ganze Sache an den Tag legte. Indem der Vater seine Familie schützen wollte, wird er zum Verräter und Mordopfer. Doch allen Aktionen und Wünschen zum Trotz wird die Hälfte seiner Familie ausgelöscht, eben weil er zum Verräter und Mordopfer geworden war. Manchmal war das Leben ein Arschloch.
    Bei dieser Überlegung kam ihr der letzte verbliebene Kiyama in den Sinn. Mura war sein Name. Ach ja, der Junge würde es nicht leicht haben. Eltern tot, Bruder tot, Sensei tot und einen ganzen Haufen lästiger Untersuchungen am Bein. Kiyama Mura war wohl wirklich der größte Verlierer in dieser ganzen Geschichte. Aber es gab auch Licht am Ende des Tunnels, denn immerhin hatte er drei Freunde die sich für ihn durch hunderte Monster gekämpft hatten. Was will…
    Die elegante Frau in dem roten Kleid stockte in ihrer Bewegung und ihre gerade noch unschuldig wirkende Miene verlor ein wenig an Liebreiz. Sie hatte eine für das ungeschulte Auge kaum wahrnehmbare Gestalt in der Seitengasse ausgemacht.
    Gibt es einen neuen Auftrag?

    Ende der Mission „Der Deserteur“